BelegverfahrenIntegrierter BelegBeleg mit FußnoteVerweisungskürzelZeichensetzung

Der Gebrauch der Verweisungskürzel "a.a.O." und "ebd."(1)

An kaum einer anderen Stelle der ansonsten fast immer eindeutigen formalen Regeln wissenschaftlichen Arbeitens herrscht soviel Uneinigkeit und Konfusion wie im Zusammenhang mit dem Gebrauch der Kürzel "a.a.O." (= am angegebenen Ort) und "ebd." (= ebenda). Fest steht nur: beide sollen den Beleg von Zitaten bei wiederholter Nutzung einer Quelle vereinfachen. über Bedeutung und Anwendung dieser sogenannten Verweisungsabkürzungen herrschen in der Literatur jedoch vollständig voneinander abweichende Meinungen:
  • Für Gerhard Gerhards (2) sind "a.a.O." und "ebd." inhaltlich gleichbedeutend. Innerhalb desselben Textes darf aber nur eine der beiden 'Formeln' benutzt werden; ein Wechsel ist also nicht zulässig. Durch "a.a.O." und "ebd." können Zitate belegt werden, die aus derselben Quelle und Seite stammen wie das unmittelbar vorausgehende Zitat. Weichen die Seitenzahlen voneinander ab, wird der genaue Fundort des folgenden Zitates nach Komma angehängt.
  • Wilhelm H. Peterßen (3) unterscheidet zwischen "ebd." und "a.a.O.". Seiner Meinung nach ist "ebd." nur dann zulässig, wenn aus ein und derselben Veröffentlichung fortlaufend - ohne dazwischenliegende andere Belege also - zitiert wird. "Ebd." kann also vollkommen selbständig - ohne zusätzliche Nennung eines Autorennamen - stehen.  "A.a.O." hingegen bezieht sich auf wiederholtes aber nicht fortlaufendes Zitieren aus einer Quelle und darf daher nur in Verbindung mit Autorennamen gebraucht werden.
  • Anders differenzieren Rückriem; Stary; Franck (4): Aus ihrer Sicht steht "ebd." für aufeinander folgendes Zitieren von derselben Seite einer Quelle, "a.a.O." dagegen für Zitate von unterschiedlichen Seiten. Das Kürzel "ebd." wird also grundsätzlich ohne Seitenangabe benutzt, "a.a.O." ebenso grundsätzlich mit Seitenangabe.
Weitere Probleme:

Eigentlich sind Verweisungsabkürzungen nur für Belegverfahren mit Anmerkungsziffer geeignet, weil dort die Belege sozusagen an exklusiver Stelle gebündelt sind, die Bezüge untereinander also leicht erkannt werden können. Der Gebrauch von "ebd." und "a.a.O." im fließenden Text dagegen zwingt den Leser permanent zur Suche nach dem letzten Quellenbeleg, bei weiter auseinander liegenden Zitaten sogar zum Hin- und Herblättern zwischen mehreren Seiten. Nicht selten wird daraus, so Theisen (5), eine regelrechte Reise durch die Fußnoten, die mancher Leser irgendwann entnervt aufgibt. Die Verweisungskürzel entpuppen sich in solchen Fällen eher als "Verweisungsumwege".

Insbesondere beim Integrierten Belegverfahren können bei der Textbearbeitung durch Hinzufügen oder Streichen von Zitaten nahezu unbemerkt vollkommen falsche Bezügen entstehen. Im Ergebnis werden dann Zitate unzutreffenden Quellen zugeordnet.

Konsequenzen:

Wegen der kaum zu leugnenden Probleme wird der Gebrauch von Belegkürzeln in einigen Veröffentlichungen grundsätzlich in Frage gestellt. Krämer (6) etwa nennt das System eine Strafe für den Leser. Theisen (7) spricht von einer reinen Bequemlichkeitsmethode, die "... nicht weiter zugelassen sein (dürfte) und sich für ein ordnungsgemäßes Zitieren von selbst verbieten" sollte.

Andere Autoren suchen nach einer besseren Umsetzung. Verweisungsabkürzungen sind "... nur so lange vorteilhaft, wie die Verweisstruktur (noch) übersichtlich bleibt" (8). Rückriem; Stary; Franck (9) empfehlen daher den auf jeweils eine eigene Textseite begrenzten Gebrauch - m.a.W.: auf jeder neuen Textseite einer Arbeit sollte wieder mit Vollbelegen begonnen werden. Unter Maßgabe dieser überschaubaren Verhältnisse halte ich eine Abkürzung des Belegs auch im Harvard Verfahren für möglich.

Auch bei der Einschränkung auf eine eigene Textseite muss allerdings grundsätzlich beachtet werden, dass Textänderungen Verschiebungen auslösen können, durch die die Verweisstruktur gestört wird.

Regelungsvorschläge:

(Noch einmal zur Erinnerung: den Umgang mit Verweisungskürzeln unbedingt mit den Themenstellerinnen und Themenstellern absprechen!)

Vorschlag 1:

 

  1. Auf den Gebrauch von Verweisungskürzeln wird wegen der bestehenden Risiken und Probleme ganz verzichtet. Jedes Zitat erhält einen vollständigen Beleg.

Vorschlag 2:

 

  1. "A.a.O." und "ebd." werden inhaltlich in der von Rückriem; Stary; Franck vorgeschlagenen Art und Weise benutzt, d.h. "ebd." für Zitate von derselben Seite einer Veröffentlichung und "a.a.O." für Zitate von unterschiedlichen Seiten.

  2. Die Anwendung beschränkt sich auf jeweils eine Textseite; neue Seiten beginnen also wieder mit Vollbelegen.

 

Klein- und Großschreibung von Verweisungskürzeln:

Verweisungskürzel werden klein geschrieben, wenn der Beleg Teil eines Satzes ist.
  • Beispiel: "Medien sind allgegenwärtig" (ebd.).
Verweisungskürzel nach Blockzitaten und in Fußnoten werden groß geschrieben.
  • Beispiel für ein Blockzitat: ... Medien sind allgegenwärtig. (Ebd)



(1) Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: neben den Kürzeln "a.a.O." und "ebd." finden sich in der Literatur noch zahlreiche andere Vorschläge für Verweisungsabkürzungen  - "daselbst", "l.c." (= loco citato), "ed.cit." (=editione citata), "op.cit." (= opere citato), "ib." oder "ibid." (= ibidem) und schließlich "item" (= ebenso).
(2) Vgl. Gerhards, Gerhard: Seminar-, Diplom- und Doktorarbeit. Muster und Empfehlungen zur Gestaltung von rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Prüfungsarbeiten. 8., durchgesehene Aufl. Bern: Haupt, 1995, S. 146ff.
(3) Vgl. Peterßen, Wilhelm H.: Wissenschaftliche(s) Arbeiten. Eine Einführung für Schule und Studium. 6., überarbeitete und erweiterte Aufl. München: Oldenbourg, 1999, S. 141f.
(4) Vgl. Rückriem, Georg; Stary, Joachim; Franck, Norbert: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 3., verb. Aufl. Paderborn: Schöningh, 1983, S. 198.
(5) Theisen, Manuel R.: Wissenschaftliches Arbeiten. Technik, Methodik, Form. 12., neu bearb. Aufl. München: Franz Vahlen, 2005, S. 143.
(6) Krämer, Walter: Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? 2. Aufl. Frankfurt a.M.: Campus Verlag, 1999, S. 193.
(7) Theisen, Manuel Ren: ABC des wissenschaftlichen Arbeitens. Erfolgreich in Schule, Studium und Beruf. München: Beck, o.J. (1993), S. 51.
(8) Bünting, Karl-Dieter; Bitterlich, Alex; Pospiech, Ulrike: Schreiben im Studium: Ein Leitfaden. 3. Aufl. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2002, S. 80.
(9) Vgl. Rückriem, Georg; Stary, Joachim; Franck, Norbert: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 3., verb. Aufl. Paderborn: Schöningh, 1983, S. 198.