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Thesenpapier

Ein Thesenpapier will zur Diskussion anregen, indem es Meinungen und Positionen inhaltlich zugespitzt darstellt. "Das Thesenpapier ist die komplementäre Form der Diskussion, findet in ihr seine Ergänzung, ist auf sie angelegt und ohne sie eigentlich sinnlos", so Rückriem/Stary (1) auf der von ihnen herausgegebenen CD-ROM "Techniken wissenschaftlichen Arbeitens". Der Einsatz eines Thesenpapiers empfiehlt sich also vor allem dann, wenn eine inhaltliche Auseinandersetzung über einen Gegenstand herbeigeführt werden soll. Das Thesenpapier für sich genommen ist dabei ein zunächst "unselbständiges" (2) Medium, das seine Wirkung erst in der begleitenden Kommentierung und Diskussion entfaltet.

"Eine These ist ein möglichst kurzer, eventuell provokanter Behauptungssatz, der des Beweises oder einer Begründung bedarf" (3). Sie ist also weniger inhaltliche Information als vielmehr beurteilende Stellungnahme.

Beispiel: (4)
"Die technische Zivilisation verändert unser Verhältnis zur Natur - zu der uns umgebenden und zu der in uns" (von Hentig 2002, S. 89).

Auf Seiten des Produzenten eines Thesenpapiers setzt die Formulierung bzw. der Gebrauch einer These die Auseinandersetzung mit dem Inhalt voraus - die These ist, wie Badry (5) sehr zutreffend feststellt, gleichsam der Ertrag dieser Auseinandersetzung. Der Konsument hingegen soll durch die These zu einem inhaltlichen Diskurs animiert werden.

Form

1.

Der Kopf des Thesenpapiers sollte Angaben enthalten über

  • den Bezugszusammenhang der Thesen ("Thesenpapier zu ...")
  • die Veranstaltung (Seminartitel, Seminarleitung, Semester, Veranstaltungsdatum)
  • Verfasser ("vorgelegt von ...")
2. Das Thesenpapier sollte eine Seite möglichst nicht überschreiten. Reischmann (6) empfiehlt eine Begrenzung auf maximal 10 Thesen.
3. Die Thesen sollten numeriert sein, damit sie in der Diskussion leichter benannt werden können.
4. Die Thesen sollten kurz und prägnant sein.
5. Die Wiedergabe fremder Aussagen muss den Regeln des Belegens und Zitierens entsprechend kenntlich gemacht werden.
6.

Das Thesenpapier sollte eine logische Struktur besitzen:

  • Die einzelnen Thesen sollten in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht werden.
  • Bei der Gegenüberstellung unterschiedlicher Positionen folgt auf eine These eine Antithese.
7. Dem Thesenpapier wird, soweit erforderlich, ein Verzeichnis der benutzten Literatur hinzugefügt.

 


(1) Rückriem, Georg; Stary, Joachim (Hrsg.): Techniken wissenschaftlichen Arbeitens. Multimedia CD-ROM. Berlin: Cornelsen Scriptor 2001.
(2) Vgl. Rückriem, Georg; Stary, Joachim; Franck, Norbert: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 10. Aufl. Paderborn: Schöningh 1997, S. 65.
(3) Rost, Friedrich: Lern- und Arbeitstechniken für pädagogische Studiengänge. 2. durchgesehene und mit einem aktualisierten Anhang versehene Aufl. Opladen: Leske+Budrich 1999, S. 198.
(4) Von Hentig, Hartmut: Der technischen Zivilisation gewachsen bleiben. Nachdenken über die Neuen Medien und das gar nicht mehr allmähliche Verschwinden der Wirklichkeit. Weinheim: Beltz 2002, S. 89.
(5) Badry, Elisabeth: Bericht, Protokoll und Thesenpapier. In: Badry, Elisabeth; Knapp, Rudolf; Stockinger, Hans Gerhard: Arbeitshilfen für Studium und Praxis der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. 3. überarb. und erw. Aufl. Neuwied: Luchterhand 1998, S. 88.
(6) Reischmann, Jost: Leichter lernen - leicht gemacht. Arbeitstechniken für Schule und Studium, Fortbildung und Examensvorbereitung. 3. Aufl. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 1985, S. 100.