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Mit dem Referat als wissenschaftlicher Arbeitsform sind immer wieder zwei grundlegende "Missverständnisse" verbunden, die vorab beseitigt werden müssen

 

1. Das Wort Referat wird häufig synonym zu den Begriffen Hausarbeit und Seminararbeit im Sinne schriftlicher Leistungen benutzt - dies, obwohl sich das Referat etymologisch auf den mündlichen Vortrag bezieht.

Zur Klärung: Das Referat ist in erster Linie ein mündlicher Vortrag, der sich allerdings immer einer schriftlichen Vorlage bedienen sollte. Diese schriftliche Grundlage - das ausformulierte Referat - ist dabei nicht mit einer Hausarbeit bzw. Seminararbeit gleichzusetzen. Während bei Haus- und Seminararbeiten die Bearbeitung einer Fragestellung unter dem Anspruch steht, "... Denkschritte und Arbeitsergebnisse in einer gedanklich ausgewogenen, sprachlich ausgefeilten und »fertigen« Form schriftlich darzulegen" (Poenicke 1988, S. 96), zielt die schriftliche Vorlage eines Referates auf die Präsentation vor sowie die Arbeit mit einem Publikum. Ein Referat zu halten erschöpft sich also keinesfalls im Vorlesen einer Seminararbeit.

2. Begriffsgeschichtlich leitet sich das Referat aus lat. "re-ferre" (re = zurück, ferre = tragen, bringen) ab, was soviel heißt wie "zurücktragen, überbringen, mitteilen". Im eigentlichen Sinne des Wortes ist das Referat also, wie Rückriem/Stary/Franck (1997, S. 61 f.) ausführen, eine wertfreie, d.h. nicht beurteilende Reproduktion eines Inhaltes - eine "Botschaft" wird unkommentiert überbracht, mitgeteilt.

Zur Klärung: In der Hochschulpraxis ist das Referat, so nochmals Rückriem/Strary/Franck (1997, S. 76), zumeist eine "Mischform" aus informierender Wiedergabe und eigener Kommentierung und Beurteilung. Ein Referat an der Hochschule sollte also über die bloße Reproduktion hinausgehen.

 

Die Vorbereitung eines Referates beinhaltet zwei Aspekte, nämlich

  • die Dimension des Inhaltes und
  • die Dimension der Präsentation und Vermittlung.

Zum Inhalt

Ein Referat besteht aus den drei klassischen Elementen Einleitung, Hauptteil und Schluss.

 

Einleitung In der Einleitung werden verschiedene Vorinformationen gegeben, die den Rahmen des Referates abstecken, so z.B.
Aufzählung die Formulierung des Problems, um das es im Referat gehen wird
Aufzählung eine erste grobe Orientierung über die Richtung der Antwort oder Lösung, um damit die Einordnung und das Verständnis der weiteren Ausführungen zu erleichtern
Aufzählung das Anlegen eines roten Fadens im Sinne einer Gliederung der weiteren Schritte
Aufzählung der Hinweis auf wichtige Literatur und andere Quellen
Hauptteil Im Hauptteil des Referates geht es in der Hauptsache um
Aufzählung

die sachlich korrekte  Wiedergabe von Inhalten

Aufzählung

die eigene Kommentierung, Bearbeitung, Umsetzung

Reproduzierende und eigene Teile des Referates sollten dabei als solche erkennbar sein.

Schluss Der Schlussteil rundet das Referat ab, etwa durch
Aufzählung eine Zusammenfassung und ein Fazit
Aufzählung den Hinweis auf noch offene, weiterführende Fragen
Aufzählung eine persönliche Stellungnahme

 

Zur Präsentation

Die Präsentation betrifft die - heute immer stärker auch medial gesteuerte - Art der Darbietung des Inhaltes, das eigene Auftreten, der Umgang mit einem Publikum, das es nach Möglichkeit einzubeziehen gilt. Der Erfolg eines Referates hängt in ganz entscheidender Weise von dessen Präsentation ab.

Die folgenden Tips und Hinweise sollten Sie beim Vortrag eines Referates beachten:

 

Vorbereitung

häufigste Gefahr:

Sie haben den Vortrag ihres Referates nicht vorbereitet, Sie haben nicht geübt, Sie haben keinen Probevortrag gehalten.

was zu tun ist:

... üben, üben, üben! Halten Sie ihr Referat vor Freunden, Verwandten, Bekannten, vor dem Spiegel. Auch wenn das zunächst viel Arbeit bedeutet - Sie investieren in die Zukunft ihrer Vorträge vor anderen Menschen, und das ist eine Investition, von der Sie weit über das Studium hinaus profitieren werden.

Einstieg

häufigste Gefahr:

kein Einstieg: "... ich fang dann jetzt mal an ...".

 

was zu tun ist:

Der Einstieg in ein Referat kann getrost mit der Situation beim einem Rendezvous verglichen werden - der erste Eindruck entscheidet. Also: fangen Sie nicht irgendwie an.

Zu einem gelungenen Einstieg gehören mehrere Elemente:

Aufzählung

begrüßen Sie alle Anwesenden

Aufzählung

stellen Sie sich selber vor

Aufzählung

nennen Sie das Thema des Referates und ordnen Sie es in den Gesamtzusammenhang des Seminars ein

Aufzählung

instruieren Sie die Zuhörer darüber, ob mitgeschrieben werden muss, ob Zwischenfragen erlaubt und Mitarbeit geplant ist

Aufzählung

gliedern Sie ihren Vortrag

... und erst jetzt legen Sie los.

Publikum

häufigste Gefahr:

Sie beziehen ihr Publikum nicht ein, sie führen einen "Monolog mit dem Publikum".

was zu tun ist:

Soweit möglich, versuchen Sie ihr Publikum zu aktivieren. Nichts macht einen Vortrag für die Zuhörer kurzweiliger und einprägsamer als ihre Beteiligung. Nebenbei bemerkt ist es auch für den Referenten mehr als befriedigend, wenn er nicht in eine schweigende Menge hinein referiert.

Seien Sie aber darauf vorbereitet, dass ihr Vortrag durch ein aktives Publikum schnell auch unerwartete Impulse erhalten kann. Vermeiden Sie in diesen Fällen Kommentare wie "das gehört hier nicht hin", mit denen Sie jede weitere Mitarbeit im Keim ersticken werden. Geben Sie eine positive Rückmeldung und lenken doch auch zum Thema zurück.

Sie sollten - im umgekehrten Fall - genauso darauf eingerichtet sein, ihr Referat vor einem "schweigenden" Publikum souverän zu halten und dabei doch für jeden Beitrag offen zu bleiben.

Instruktionen

häufigste Gefahr:

Sie geben dem Publikum keine Hinweise darauf, ob mitgeschrieben werden muss, ob Zwischenfragen erlaubt sind, ob Mitarbeit erwünscht ist usw.

was zu tun ist:

Sagen Sie ihrem Publikum genau, was zu tun ist - geben Sie genaue "Arbeitsanweisungen". Diese Instruktionen sind ein wichtiger Teil des Einstiegs.

Tischpapiere

häufigste Gefahr:

Sie haben keine Tischpapiere vorbereitet.

was zu tun ist:

Zu einem guten Referat gehören Tischpapiere mit einem vollständigen Kopf (Seminar, Seminarleitung, Semester, Thema des Referates, Referent, Datum), auf denen die Inhalte zusammengefasst und die benutzten Quellen aufgeführt sind.

Übrigens: Überlegen Sie sich gut, ob Sie ein Tischpapier vor dem Referat oder erst danach austeilen. Ein Paper, das schon während des Referates vorliegt, verleitet zum "Weiterlesen" und führt nicht selten zu einer Reduzierung des eigenen "Engagements". Andererseits kann mit einer guten Tischvorlage die Grundlage für eigene Notizen geschaffen werden. Wägen Sie Vor- und Nachteile von Fall zu Fall ab. 

Medieneinsatz

häufigste Gefahr:

zuviel Medieneinsatz - zuwenig Medieneinsatz

was zu tun ist:

Grundsätzlich gilt: "Das Auge isst mit." Aber - bleiben Sie dezent im Medieneinsatz; dosieren Sie richtig. Zuviel mediales Feuerwerk überlagert die eigentliche Information und verleitet das Publikum dazu, sich "berieseln" zu lassen.

Anschauungsmaterial

häufigste Gefahr:

kein Anschauungsmaterial vorhanden

was zu tun ist:

Sofern es das Thema hergibt, setzen Sie Anschauungsmaterial ein. Bilder sowie andere Gegenstände und Dokumente verdeutlichen nicht nur ihre Ausführungen, sie sorgen immer auch für ein leichteres und effizienteres Behalten.

frei sprechen

häufigste Gefahr:

eine ausformulierte Vorlage wird einfach nur vorgelesen.

was zu tun ist:

Versuchen Sie frei zu sprechen.

Freies Sprechen heißt nicht, dass Sie einen auswendig gelernten Text wiedergeben sollen. Zum freien Vortrag gehören ein Stichwortzettel und - für den Notfall - der ausformulierte Text. Es ist übrigens durchaus zu empfehlen, den Stichwortzettel als Orientierungshilfe in der Hand zu halten.

Der freie Vortrag muss geübt werden:

Aufzählung

halten Sie Probevorträge

Aufzählung

trainieren Sie den "unauffälligen" Umgang mit dem Stichwortzettel als Hilfe in schwierigen Situationen

Aufzählung

lassen Sie sich durch Probezuhörer Zwischenfragen stellen, nach denen Sie wieder in ihren Vortrag zurückfinden sollen

Stimmeinsatz

häufigste Gefahr:

Sie sprechen zu leise und in einer monotonen Sprachmelodie; beides zusammen wirkt eher einschläfernd.

was zu tun ist:

Setzen Sie ihre Stimme ein - sprechen Sie laut und deutlich, heben Sie wichtige Informationen durch stimmliche Betonung hervor. Entwickeln Sie eine abwechslungsreiche Sprachmelodie.

Sprechgeschwindigkeit

häufigste Gefahr:

Sie sprechen zu schnell, weil Sie aufgeregt sind - mit dem Ergebnis, dass die Zuhörer ihnen bald nicht mehr folgen können und aus dem Referat aussteigen.

was zu tun ist:

Nutzen Sie die Eingangspassage ihres Referates - ihre persönliche Vorstellung, eine kleine Geschichte, eine Anekdote - um sich sehr bewusst auf ihre Sprechgeschwindigkeit zu konzentrieren; subjektiv dürfen Sie ruhig das Gefühl haben, zu langsam zu sprechen - meist liegen Sie dann genau richtig.

Sprachstil

häufigste Gefahr:

zuviel Fachjargon, zu komplizierte Sätze

was zu tun ist:

Keine Imponiersprache durch übermäßigen Gebrauch von "Fachchinesisch" und unnötig komplizierten Satzbau! Formulieren Sie überschaubare Sätze und bemühen Sie sich um eine verständliche Ausdrucksweise. Sie sollen Fachtermini keineswegs vermeiden, aber erklären Sie sie bei Bedarf ebenso wie andere Fremdworte, die sie benutzen.

Vermeiden Sie Gedankensprünge und ausufernde Abschweifungen.

Redundanz

häufigste Gefahr:

Sie informieren zu komprimiert.

was zu tun ist:

Wiederholen Sie wichtige Inhalte, nur so prägen sie sich ein. Sagen Sie das Gleiche mit anderen Worten, formulieren Sie anschauliche Beispiele, bringen Sie zentrale Aussagen auf prägnante Formeln.

Körpersprache

häufigste Gefahr:

Sie bauen eine körpersprachliche Barriere zwischen sich und dem Publikum auf - Sie verbergen sich hinter einem Vortragsskript, das sie mit beiden Händen vor ihr Gesicht halten - Sie drehen dem Publikum den Rücken zu.

 

was zu tun ist:

Lassen Sie durch ihre Körpersprache einen positiven Kontakt zwischen sich und dem Publikum entstehen. Vermeiden Sie blockierende Körperhaltungen wie "die Arme vor der Brust verschränken". Achten Sie besonders beim Medieneinsatz (Tafel, Flip-Chart, computergestützte Präsentation) darauf, dass Sie ihrem Publikum nicht den Rücken zukehren und einen Dialog mit dem Medium führen.

Blickkontakt

häufigste Gefahr:

Sie schauen immer dieselbe Person an, nachdem diese einen Wortbeitrag geleistet hat - mit der möglichen Folge, dass sich andere Zuhörer "ausgeschlossen" fühlen.

was zu tun ist:

Bemühen Sie sich, ihren Blick von Zeit zu Zeit langsam über das ganze Publikum wandern zu lassen, damit sich jeder - und sei es nur durch diesen Blickkontakt - in den Vortrag einbezogen fühlt.

Gestik und Mimik

häufigste Gefahr:

Sie benutzen weder Gestik (Sie halten sich mit beiden Händen an ihrem Skript fest) noch Mimik (Ihr Blick ist ausdruckslos auf das Skript in ihren Händen gerichtet).

was zu tun ist:

Begleiten Sie ihre verbalen Ausführungen durch passende Gesten und eine ebenso passende Mimik; heben Sie Zustimmung, Ablehnung, Erstaunen, Verärgerung etc. durch entsprechende gestische und mimische Signale hervor.

Aber: übertreiben Sie es nicht - weniger ist oft mehr. Ihre gestischen und mimischen Botschaften sollen etwas unterstreichen - das wird nicht gelingen, wenn Sie fortwährend mit den Armen rudern und wilde Blicke in die Runde werfen.

Übrigens: Es spricht nichts dagegen, wenn Sie in einer Hand ein Skript halten und ihre Gestik auf die andere Hand beschränken. ... Und wenn Sie gerade einmal nicht gestisch tätig sind, dann stecken Sie ihre Hand nicht in die Hosentasche sondern lassen Sie sie einfach herunterhängen.

Pannen

häufigste Gefahr:

... sie passieren!

was zu tun ist:

Reduzieren Sie das Pannenrisiko, soweit es geht. Versuchen Sie mögliche Probleme schon im Vorfeld zu lokalisieren, indem Sie ihr Referat ausprobieren.

Planen Sie, besonders was den Bereich der medialen Präsentation betrifft, redundant, d.h. halten Sie für den Fall einer Panne immer eine Alternative bereit. Wenn eine Power-Point Präsentation durch eine unvorhergesehene technische Störung nicht möglich ist oder während des Vortrages abgebrochen werden muss, dann sollten Sie die entsprechenden Folien zur Hand haben, die mit dem Overhead-Projektor an die Wand projiziert werden können. Es gehört grundsätzlich zu den Aufgaben des Referenten, sich um die technische Ausstattung des Raumes zu kümmern.

... und wenn eine Panne passiert - nobody's perfect.
Aufzählung

auch wenn es schwer fällt - versuchen Sie ruhig zu bleiben

Aufzählung

nehmen Sie's locker - aus Fehlern lernt man

Zeitproblem

häufigste Gefahr:

Sie werden zu früh oder - schlimmer noch - gar nicht in der zur Verfügung stehenden Zeit mit ihrem Referat fertig.

was zu tun ist:

Planen Sie in der Vorbereitung unbedingt mögliche Kürzungen oder Auslassungen ein, damit Sie ihr Referat rechtzeitig zu einem angemessen Abschluss bringen können.

Auch für den umgekehrten Fall, dass nämlich - wider Erwarten - noch Zeit übrig bleibt, sollten Sie gewappnet sein. Bereiten Sie ein paar sinnvolle Ergänzungen vor: informieren Sie über benutzte Literatur und andere Quellen, geben Sie Hinweise auf weiterführende Fragen, kommentieren Sie ihre Tischvorlage, die Sie dabei in aller Ruhe austeilen.

Ausstieg

häufigste Gefahr:

kein Ausstieg: "... ja, das war's dann jetzt ...".

was zu tun ist:

Der letzte Eindruck bleibt hängen. Mit einem schlechten Ausstieg können Sie ein ansonsten gutes Referat ruinieren. Planen Sie daher einen ordentlichen Ausstieg.

Aufzählung

fassen Sie ihre Ausführungen nochmals zusammen und ziehen Sie ein Fazit

Aufzählung

weisen Sie auf noch offene und weiterführende Fragen zum Thema hin

Aufzählung

klären Sie, ob es noch Fragen aus dem Publikum gibt

Aufzählung

bedanken Sie sich für die Aufmerksamkeit, das Interesse, die Mitarbeit

Aufzählung

verabschieden Sie sich

Das Wichtigste: wenn Schluss ist, dann sagen Sie es auch. Es hinterlässt keinen guten Eindruck, wenn der Referent am Ende seiner Ausführungen - im wahrsten Sinne des Wortes - "unschlüssig" ("damit wäre ich dann eigentlich am Ende") ist und das Publikum in einem Moment peinlicher Stille darüber nachdenkt, ob denn nun wirklich Schluss ist.

Legen Sie sich eine kurze und "knackige" Abschiedsformel zurecht, z.B.: "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Mitarbeit. Auf Wiedersehen."