Power Point

Für die einen ist es einfach nur eine Spielerei, für andere ein didaktisches Instrument.

Die Kritiker schlagen Alarm:

  • Power Point unterdrückt Fragen und ist intellektuell verdächtig (Frankfurter Rundschau).
  • Power Point ist Frontalberieselung, die zu einer Verblödung der Nutzer und einer Verflachung des Denkens führt. Power Point ist gleichbedeutend mit Erziehung zu Oberflächlichkeit (Die Zeit).
  • Power Point korrumpiert (Der Stern).
  • Power Point ist technologisches Kokain und hat eine kulturzersetzende Wirkung (zit.n. Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen).

Die Argumente sind nahezu deckungsgleich mit der medienpädagogischen Diskussion, wie sie schon seit Platon, der Märchen und Sagen unter Manipulationsverdacht stellte, geführt wird. Die Feststellung, dass Medien, seit es sie gibt, mit dem Untergang der Kultur gleichgesetzt werden, ist wohl kaum übertrieben.

Ein Blick in die wissenschaftliche Diskussion vermittelt ein differenzierteres Bild. Danach bietet die mediale Unterstützung von Lernprozessen, wie sie mit Power Point möglich ist, neben zweifellos vorhandenen Gefahren, ein ebenso wenig von der Hand zu weisendes Förderpotential:

  • mediale Unterstützung ermöglicht einen unmittelbareren Zugang zum Wissen (1).
  • Bilder können den Wissenserwerb fördern, weil sie besser als Texte geeignet sind, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen (2).
  • Die Doppel-Codierung durch Verknüpfung wort- und bildsprachlicher Elemente fördert das Einprägen und Behalten (3).
  • der Einsatz von Bildern im Lernprozess bahnt die Fähigkeit zum simultanen Denken an, während ausschließlich verbal vermitteltes Wissen eher sequentiell genutzt wird. Mit anderen Worten: multimedial gestützter Wissenserwerb ermöglicht eine gleichzeitige Verarbeitung verschiedener Aspekte eines Denkvorgangs (4).
  • multimedial erworbenes Wissen eignet sich besser für einen Transfer in reale Situationen und Probleme (5).

Und doch: der Einsatz von Medien ist kein Selbstläufer. Das Ansprechen mehrerer Sinneskanäle führt nicht zwangsläufig zu besseren Lern-, Behaltens- und Transferleistungen. Bloßes "enrichment", Effekte um der Effekte willen sind nicht nur wirkungslos, sie können sogar nachteilig für den Lernprozess sein. Die sogenannte "Unterschätzungsthese" (6) z.B. geht davon aus, dass Lernende ihre Anstrengungsbereitschaft reduzieren, wenn sie die Anforderungen eines Mediums als gering wahrnehmen.

Nach Weinberger / Lerche (7) ist der wechselseitige Bezug von Bild und Text entscheidend für den Lernerfolg: "Wenn Bild und Text sich eindeutig aufeinander beziehen, kann es Lernenden gelingen, mehrdimensionale oder mehrperspektivische Konzepte zu erlangen. Verbale und bildhafte Repräsentation ergänzen sich dann zu einem vollständigeren Bild des Sachverhalts."

Neben der auf den Rezipienten gerichteten Perspektive gilt es auch einen Blick auf mögliche Wirkungen beim "Hersteller" einer Power Point Präsentation zu werfen. Damit einher geht die Frage: ist es sinnvoll, Power Point zum Unterrichtsgegenstand zu machen?

Die Entwickelung einer Power Point Präsentation fordert und fördert verschiedene für Studium und Beruf gleichsam wichtige Schlüsselqualifikationenen. Der zu vermittelnde Gegenstand muss zunächst auf seine wesentlichen Inhalte reduziert werden. Das setzt die keineswegs selbstverständliche Fähigkeit zur Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem voraus. Die herausgefilterten Inhalte müssen sinnvoll strukturiert, in Ober- und Unterbegriffe eingeteilt und in eine angemessene Präsentationsabfolge gebracht werden. Power Point besitzt damit ein nicht unerhebliches Potential, genau die Kernkompetenzen anzusprechen, deren Fehlen an so vielen Schulen und Hochschule beklagt wird.

Fazit: Nicht das Medium ist das Problem, sondern die Art seiner Anwendung.

 

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(1) Weidenmann, Bernd: Multicodierung und Multimodalität im Lernprozess. In: Issing, Ludwig J.; Klimsa, Paul (Hrsg.): Information und Lernen mit Multimedia. Lehrbuch für Studium und Praxis. 3., vollständig überarb. Aufl. Weinheim: Beltz, 2002, S. 50.
(2) A.a.O., S. 59.
(3) Stary, Joachim: Referate unterstützen: Visualisieren, Medien einsetzen. In: Franck, Norbert; Stary, Joachim: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 11., völlig überarb. Aufl. Paderborn: Schöningh, 2003, S. 257.
(4) Weidenmann a.a.O., S. 51.
(5) Dörr, Günter; Strittmatter, Peter: Multimedia aus pädagogischer Sicht. In: Issing, Ludwig J.; Klimsa, Paul (Hrsg.): Information und Lernen mit Multimedia. Lehrbuch für Studium und Praxis. 3., vollständig überarb. Aufl. Weinheim: Beltz, 2002, S. 32ff.
(6) Weidenmann a.a.O., S. 56f.
(7) Weinberger, Armin; Lerche, Thomas: Didaktik der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. In: Hug, Theo (Hrsg.): Wie kommt Wissenschaft zu Wissen? Band 1. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren, 2001, S. 360.