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Arbeitsort

Die Frage nach dem richtigen Arbeitsort - ob zu Hause am eigenen Schreibtisch oder etwa im Lesesaal einer Bibliothek - kann nicht allgemeingültig und verbindlich beantwortet werden. Individuelle Vorlieben und Fähigkeiten spielen hier ebenso eine Rolle wie die jeweils spezifischen Anforderungen der zu bewältigenden Aufgabe. Die vorhandenen, grundsätzlichen Erfahrungen und Kenntnisse können jedoch eine wertvolle Hilfe sein, wenn es gilt, den geeigneten Arbeitsort zu wählen.

Die Arbeit im eigenen Zimmer am eigenen Schreibtisch bringt zunächst einmal eine Reihe von Vorteilen und Annehmlichkeiten mit sich:

  • Benötigte Hilfsmittel wie Wörterbücher, pädagogische Nachschlagewerke u.ä. sind vor Ort und haben zumeist ihren festen Platz, so dass sie immer schnell greifbar und verfügbar sind.

  • Arbeitsmittel wie Papier, Stifte, Radiergummi liegen bereit.

  • Der PC am Arbeitsplatz ist heute fast schon selbstverständlich.

  • Es entsteht kein Zeitverlust durch Fahrten zwischen Wohnung und „externem“ Arbeitsplatz. Sofern solche Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem privaten PKW durchgeführt werden, entfallen darüber hinaus auch die entsprechenden Unkosten.

  • Texte und Inhalte - etwa zur Vorbereitung von mündlichen Referaten - können laut rezitiert werden.

  • Die Arbeit kann von nicht nur gemütlichen, sondern oft auch ausgesprochen motivierenden Ritualen - etwa der Tasse Tee oder Kaffee - eingeleitet, unterbrochen oder begleitet werden. Zuviel Gemütlichkeit ist allerdings, daher merke: weniger ist mehr (Friedrich Fröbel)

Den Vorteilen stehen allerdings nicht zu übersehende und z.T. erhebliche Nachteile gegenüber:

  • In der eigenen Wohnung bzw. im eigenen Arbeitszimmer ist man leichter erreichbar und wird u.U. immer wieder in der Arbeit gestört, so dass kein durchgängiger Arbeitsrhythmus entstehen kann und ein kontinuierliches Arbeiten unmöglich wird.

  • Neben den von außen kommenden Störungen bietet Heimarbeit in der Regel eine ganze Fülle weiterer Ablenkungsmöglichkeiten. Dazu gehören in erster Linie das Fernsehen, Musik und nicht zuletzt auch das Telefon.

  • Oft ist nur ein Grundgerüst an Literatur vorhanden, und weiterführende Texte, die erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema ermittelt wurden, müssen beschafft werden.

Den Vor- und Nachteilen des eigenen Arbeitszimmers stehen korrespondierende Argumente zur Arbeit im Lesesaal gegenüber. Die Nachteile der "Heimarbeit" werden zu einem Teil schon durch die strukturellen Bedingungen der Bibliotheksarbeit ausgeglichen:

  • Der Lesesaal bietet wesentlich leichteren und umfangreicheren Zugriff auf Literatur.

  • Die allgemeine Ruhe und Konzentration wirkt, ganz im Sinne eines positiven Modells, geradezu ansteckend und erleichtert damit nicht nur den Arbeitseinstieg sondern hilft auch über kreative Löcher und Durchhänger hinweg.

  • Zumeist bieten Lesesäle weniger Ablenkungsmöglichkeiten, wobei jedoch das Phänomen der Ablenkbarkeit grundsätzlich stark individuell geprägt ist. Manche Personen können sich auch unter schwierigsten Bedingungen ganz und gar auf einen Gegenstand einlassen und konzentriert arbeiten, während andere selbst von Kleinigkeiten abgelenkt werden, andere Studenten bei der Arbeit beobachten, Buchrücken zählen, Tagträumen nachgehen. Konzentration bzw. Ablenkung ist zumeist, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, eine Frage der Bereitschaft und gerade auch vor Hürden und Problemen eine Frage der Selbstdisziplin.

  • Trotz einer fast schon als flächendeckend zu bezeichnenden Ausbreitung des Handys ist man im Lesesaal weniger leicht zu erreichen, da Handys dort verständlicherweise in der Regel nicht gestattet sind.

Auch der Lesesaal hat allerdings verschiedene Nachteile:

  • Bestimmte Hilfsmittel, wie etwa Papier, Textmarker, Karteikarten, Linieal, Taschenrechner u.ä. müssen mitgenommen werden.

  • Durch Planungen, Vorbereitungen und Fahrten entsteht z.T. erheblicher Zeitverlust.

  • Die Arbeit im Lesesaal ist an die jeweiligen Öffnungszeiten gebunden, so dass ein Arbeitsfluß u.U. abrupt beendet, ein Gedankengang ebenso unvermittelt abgebrochen wird.

  • Im Lesesaal besteht im Normalfall - für alle Studierenden nämlich, die sich ein Notebook nicht leisten können - kein Zugriff auf den eigenen PC, so dass häufig ein zusätzlicher Arbeitsschritt des Übertragens notwendig wird.

Fazit: Sowohl die Arbeit zu Hause wie auch die im Lesesaal haben Vor- und Nachteile. Eine Entscheidung kann also immer nur für den Einzelfall herbeigeführt werden. Hilfreich kann dabei eine Checkliste sein, mit deren Hilfe grundsätzliche Argumente wie auch die situativen Gegebenheiten geprüft werden können:

  1. Welche Literatur wird benötigt? Zur Beantwortung dieser Frage ist eine vorherige, gründliche Literaturrecherche erforderlich.

  2. Welche zusätzlichen Hilfsmittel werden gebraucht (z.B. Kopierer für die Vervielfältigung eines Thesenpapiers zur Vorlage im Seminar, Schere, Klebstoff usw.)?

  3. Sind Störungen von außen zu erwarten (vor dem Haus finden Bauarbeiten statt, der Mitbewohner feiert seinen Geburtstag usw.)?

  4. Lasse ich mich im Augenblick leicht ablenken und brauche den positiven Schub einer bestehenden Ruhe und Konzentration?

  5. Welcher Aufwand (Zeit, Geld, zusätzliche Planungen) ist mit der Arbeit im Lesesaal verbunden?

  6. Stimmen die Öffnungszeiten mit meinen Arbeitsplanungen überein?