Exzerpieren

In Zeiten virtueller Lehr- und Lernmöglichkeiten scheint das Exzerpieren von Texten eine eher antiquierte Form wissenschaftlichen Arbeitens zu sein.

Ein Exzerpt ist die auszugsweise Wiedergabe eines Textes mit dem Ziel, seinen Inhalt und seine Struktur möglichst komprimiert darzustellen. Das Exzerpt ist also - umgangssprachlich ausgedrückt - eine Zusammenfassung,

  • die mehr ist als eine Stichwortsammlung,

  • die weniger ist als eine komplette Nacherzählung.

Exzerpieren heißt, einen Text auf das Wesentliche reduziert wiederzugeben. Das Gelesene kann dabei sowohl paraphrasierend, d.h. den Inhalt mit eigenen Worten darstellend, als auch in wörtlichen Zitaten niedergeschrieben werden. Die Paraphrase stellt das Ergebnis einer aktiven Auseinandersetzung mit einem Text dar, die weit über das bloße Abschreiben hinausgeht und von immenser Bedeutung für die verstehende Aneignung von Inhalten ist. Wörtliche Zitate dagegen sind vor allem dann zu empfehlen, wenn besonders überzeugende und aussagekräftige Formulierungen für eigene wissenschaftliche Zwecke konserviert werden sollen.

Inhalte des Exzerpts

Zum Exzerpt gehören grundsätzlich

  • die genauen bibliographischen Angaben (mindestens: Autor, Titel, Auflage, Erscheinungsjahr)

  • die Angaben der Seiten, auf denen wiedergegebene Inhalte gefunden wurden.

  • die wiedergegebenen Inhalte

  • eigene Kommentare

Die reine Reproduktion eines Textes sollte immer auch durch weiterführende Kommentierungen ergänzt werden. Die stichwortartige Zuordnung konkreter Inhalte zu bergeordneten Modellen etwa oder der kritische Verweis auf andere Ansätze und Positionen - um nur zwei Beispiele zu nennen - stellen wichtige Transferleistungen dar, die eine Vernetzung des Wissens erst möglich machen.  Ein durch persönliche Anmerkungen erweitertes Exzerpt wird auch Konspekt (1) genannt. Reproduzierte und kommentierte Teile müssen dabei - am besten auch optisch - sauber voneinander getrennt werden.

Schritte des Exzerpierens

  • in einem ersten Schritt sollten zunächst die großen Zusammenhänge erfasst werden - der "rote Faden" einer Veröffentlichung oder eines Kapitels bzw. Unterkapitels. Damit soll der grundsätzliche Gedankengang - wenn man so will, die Idee eines Textes - komprimiert dargestellt werden.
  • erst in einem zweiten Schritt werden kleinere Zusammenhänge, einzelne Aussagen und Details wiedergegeben.

Die äußere Form des Exzerpts

Exzerpte können auf Karteikarten geschrieben und in einer systematischen Ablage gesammelt werden. Das flexiblere Instrument ist an dieser Stelle allerdings der Computer.

  • Mit dem PC kann eine Dokumentvorlage für Exzerpte angelegt werden 

  • In einem Stichwortregister können die Exzerpte systematisiert und über Links aufgerufen werden.

 

 

 


(1) Vgl. Rückriem, Georg; Stary, Joachim; Franck, Norbert: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 3., verb. Aufl. Paderborn: Schöningh, 1983, S. 162.